#086 – Prokrastination
Shownotes
In dieser Folge von Gedankenrevolution spricht Gudrun Schönhöfer über Prokrastination – und stellt eine zentrale Annahme infrage: Was, wenn Aufschieben kein Problem ist, das gelöst werden muss, sondern ein Hinweis auf etwas, das im Hintergrund längst erkannt, aber noch nicht entschieden ist?
Gudrun zeigt, warum gängige Erklärungen wie fehlender Drive, mangelnde Disziplin oder fehlende Motivation oft zu kurz greifen. Stattdessen lenkt sie den Blick auf eine tiefere Ebene: Prokrastination kann ein Schutzmechanismus sein – ein Schutz vor Entscheidungen, die mit Trennung, Abgrenzung oder möglichen Konsequenzen verbunden sind.
Dabei wird deutlich, dass es weniger um Zeitmanagement oder Selbstoptimierung geht, sondern um die Frage, was eine Entscheidung im eigenen System auslöst. Denn jede Entscheidung bedeutet auch eine Form von „Scheidung“ – sie trennt, beendet oder verändert etwas. Und genau diese Dynamik kann unbewusst dazu führen, dass Menschen ins Zögern, Aufschieben oder Vermeiden gehen.
Aus systemischer Sicht macht Gudrun sichtbar, wie tief verankerte Muster rund um Zugehörigkeit, Anpassung und Angst vor Ausschluss unser Verhalten bis heute prägen – selbst dann, wenn die äußeren Bedingungen längst andere sind. Prokrastination wird so zu einem Signal für innere Spannungen, nicht zu einem Zeichen von Schwäche.
Themen dieser Episode:
Prokrastination neu gedacht: Hinweis statt Problem
Aufschieben als Schutzmechanismus vor Entscheidung und Trennung
Warum klassische Ansätze wie Disziplin und Selbstoptimierung oft nicht greifen
Entscheidung = Scheidung: Was Entscheidungen im System auslösen
Systemtreue und Zugehörigkeit: Die Angst vor Ausschluss als unsichtbare Dynamik
Warum wir oft nicht die Aufgabe, sondern die Konsequenz vermeiden
Prokrastination im beruflichen und privaten Kontext
Systemischer Blick: Was hinter Zögern, Vermeiden und Aufschieben wirklich steckt
Diese Episode ist eine tiefgehende Einladung, Prokrastination neu zu betrachten – nicht als persönliches Defizit, sondern als Hinweis auf eine Entscheidung, die gesehen und verstanden werden will.
Transkript anzeigen
00:00:00: Prokrastination ist meiner Meinung nach kein Problem, das gelöst werden muss.
00:00:04: Sondern es ist ein Hinweis darauf, dass eine Entscheidung ansteht, die möglicherweise mehr trennt als bewusst wahrgenommen wird.
00:00:15: Das ist dann auch nicht der fehlende Drive!
00:00:18: Es ist also kein Mangel...es ist ein Schutz.
00:00:22: Ein Schutz vor einer Trennung, wie systemisch vielleicht noch nicht geklärt ist?
00:00:29: Hallo und Happy Welcome zu Gedankenrevolution.
00:00:34: Dein Podcast für Persönlichkeitsentwicklung, wenn Mindset alleine nicht reicht!
00:00:42: Ich bin die Gudrun.
00:00:43: Komm mit mir ans auditive Lagerfeuer.
00:00:50: Heute geht es um Prokrastination.
00:00:53: Ja diesem Thema ist ja schon sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt worden und den Menschen unterstellt man einen Perfektionsmuster leiden an einer Störung, ja und ein sogar pathologisches Aufschieben.
00:01:07: Diese Menschen kommen nicht ins Tun und sie vermeiden den nächsten Schritt.
00:01:12: Die gängige Diagnose ist dann der fehlende Drive oder die fehlenden Disziplin – oder mangelnde Motivation?
00:01:21: Für mich greift das zu kurz!
00:01:22: Die Frage ist doch, warum haben Menschen eben diese – ich nenne Sie mal –
00:01:28: Aufschieberitis?!
00:01:30: Ratgeber dazu gibt es genug.
00:01:32: Da geht es um Tools für Selbstoptimierung, für Struktur, Fokus und Prioritäten – ja nice!
00:01:39: Aber mehr zu tun löst ja kein strukturelles Problem.
00:01:43: Nein ganz im Gegenteil, es verstärkt ist.
00:01:46: Der Ansatz ist schon gut aber ich sage Struktur bringt nix wenn das System die Entscheidung nicht trägt.
00:01:55: Meine systemische Ansicht zur Prokrastination einer Trennung, eine Entscheidung.
00:02:02: Denn eine Entscheidung – das hat das Wort schon in sich – ist eine Scheidung!
00:02:08: In vielen Fällen ist den Menschen die Entscheidung unterbewusst längst klar und genau das ist das Problem.
00:02:16: Aber erstmal interessiert mich jetzt der Begriff Prokrastination.
00:02:20: Er kommt aus dem lateinischen pro nach vorne Krastinus auf morgen bezogen Wörtlich übersetzt, etwas auf morgen verschieben.
00:02:30: Na ja generell mag ich den Satz auch ganz gerne was du heute kannst besorgen das Verschiebgetrost auf morgen.
00:02:38: Früher nannte man das die Aufschieberätis.
00:02:41: ist es jetzt mangelnde Disziplin oder fehlende Motivation?
00:02:46: Oder Angst vor einer Entscheidung?
00:02:50: Ich meine, wir kennen das ja alle irgendwelche Aufgaben die man einfach nicht erledigen möchte weil man einfach keine Lust da drauf hat.
00:02:56: Weil sie einem irgendwie...ja Es macht halt einfach keinen Spaß.
00:03:00: aber manche Dinge müssen getan werden gar keine Frage.
00:03:03: Prokrastination ist also kein Zeitproblem.
00:03:06: Sie isst ein Strukturhinweis Ein Punkt an dem etwas erkanntes Aber nicht entschieden wird.
00:03:12: Ich sag mal so wenn man jetzt erkannt hat Man hat keine Lust zu bügeln und verschiebt und verschrieb Denn es ist ja eine Sache Das gehört aber in unser normales Leben Damit muss man irgendwie zurechtkommen.
00:03:22: Aber haben wir solche Phänomene im Beruf?
00:03:26: Da kann man was dran ändern!
00:03:28: Da wird nämlich dann nicht die Aufgabe verschoben, sondern es wird die Konsequenz verschoben und diese Konsequent liegt oft als Bremsklotz im System.
00:03:40: Was meine ich damit?
00:03:41: Der Begriff Entscheidung wird oft unterschätzt.
00:03:44: In ihm steckt habe ich bereits gesagt das Wort Scheidung Trennung oder auch Abgrenzung.
00:03:51: Eine Entscheidung ist kein neutraler Vorgang!
00:03:55: Sie trennt, sie beendet etwas – sie stellt eine gewisse Ordnung infrage und genau deshalb wird sie oft unterbewusst vermieden.
00:04:05: In der Gedankenrevolution beschäftige ich mich ja immer mit der Evolution also der Entstehungsgeschichte auch von Begrifflichkeiten.
00:04:14: Und historisch gesehen war in vielen Systemen Nicht wirklich frei.
00:04:21: Entscheidung bedeutet Risiko, wer sich vielleicht anders positioniert hat?
00:04:26: Hat die Zugehörigkeit gefährdet?
00:04:29: Wer eine eigene Meinung hatte?
00:04:32: Hat sich angreifbar gemacht!
00:04:34: Wer Grenzen gesetzt hat, hat das Gleichgewicht gestört.
00:04:37: früher waren die Konsequenzen nicht klein.
00:04:40: Es ging um Anschlusskonflikt und Verlust von Bindung Und so haben die Menschen gelernt, sich anzupassen zurückzuhalten oder mitzugehen.
00:04:50: Ja, diese Muster waren schon sinnvoll.
00:04:52: sie haben Zugehörigkeit gesichert.
00:04:54: Sie haben auch altes Wissen gesicherd zum Beispiel in Ärztefamilien.
00:04:58: das ist heute noch oft so dass dieses Wissen über Generationen weitergegeben wird Mit einer gewissen Erwartungshaltung.
00:05:05: auch Ich hatte schon viele viele Kunden in Beratungen die sich nicht getraut haben da aus diesem System auszusteigen.
00:05:14: Das gilt für Landwirte genauso wie Musiker, Familienunternehmen.
00:05:19: da einfach auszusteigen aus dem System und ein eigenes Ding draus zu machen.
00:05:24: Schwierig!
00:05:25: Zugehörigkeit war-und ist überlebenswichtig – das ist ganz tief in unseren Zellen.
00:05:32: Ja wer früher unangenehm war der ist vor die Stadtmauern gesetzt worden.
00:05:36: ja und alleine hat man keine Chance zu überleben.
00:05:40: Und dieses alte Muster wirkt noch in uns.
00:05:43: Das ist eine Urangst und genau hier liegt die eigentliche Dynamik.
00:05:49: Hinter Prokrastination steht nämlich oft keine Faulheit, sondern die Angst nicht die sichtbare Angst, sondern eine ganz tiefe.
00:05:59: Die Angst vor dem Rauswurf aus dem System oder welchem auch gerade immer, die Angst nichts mehr dazu zu gehören – die Angst alleine dazustehen!
00:06:11: Die Angst vor Kritik, vor Zweifel von außen und vor allem vor Niederlage.
00:06:16: Diese Angst ist nicht zwingend rational – sie ist uralt und wirkt auch wenn die reale Situation längst eine andere ist.
00:06:24: Wenn zum Beispiel ein Vater seinem Sohn sagt du studierst besser und nicht Sport das bringt nichts.
00:06:30: Studier lieber BWL da hast Du was Solides!
00:06:33: Der Sohn macht das, weil, naja, Solide hört sich gut an und vielleicht nach vielen, vielen Jahren im Anzug kommt der Imjob an einen Punkt.
00:06:45: Da erwischt er sich selber mitten in Prokrastinationsmodus.
00:06:50: Die Laune lässt zu wünschen übrig?
00:06:53: Der Antrieb ist im Winterschlaf Das Grundrauschen is Monoton Manche entwickeln dann sogar Depressionen oder andere Zustände.
00:07:05: Man versucht alles, um die gewisse Frage zu vermeiden was ist hier eigentlich wirklich los?
00:07:13: Was ist meine Passion?
00:07:15: Was wäre geworden wenn ich Sport studiert hätte und meiner Leidenschaft nachgegangen wäre.
00:07:21: Ich spreche aus der Erfahrung von meinen Beratungen Und das Muster kommt so viel vor dass es ganz wichtig finde darüber mal zu sprechen.
00:07:30: Schon gesagt im Prozess der Gedankenrevolution, da kümmern wir uns eben um die Evolution.
00:07:35: Um die Entstehungsgeschichte der Glaubenssätze, der Labus, der Limitierung in Ansichten, Bewertungen und Urteile und vor allen Dingen Entscheidungen, die wir dann getroffen haben früher ohne sie noch mal durch eine andere Brille gefiltert zu haben.
00:07:51: In meinem Beispiel war es so, der Vater hat entschieden was für den Sohn richtig ist und der Sohn hat das nicht weiter verfolgt, dass zur Hinterfragen Klar, es gibt Menschen die können ständig neue Entscheidungen treffen.
00:08:02: Die erfinden sich ja immer wieder neu.
00:08:05: Sagen wir mal so das sind so die Alphatirchen?
00:08:07: Aber es gibt auch eben Menschen, die sind systemtreu ganz tief unterbewusst und die würden jetzt die Kompetenz der Entscheidung des Vaters überhaupt nichts entgegensetzen.
00:08:17: da können wir alle Lebensbereiche abdecken ob man den Partner richtig getroffen hat den heirateste Jetzt dann bist du sicher oder was auch immer da entschieden wurde.
00:08:27: Viele hinterfragen das nicht mehr.
00:08:30: Also alle Lebensbereiche, beruflich, privat, Partnerschaften, sämtliche Lebensmodelle... Dann zeigen sich Symptome, Krankheiten, Befindlichkeiten.
00:08:42: Bert Hellinger sagt dann immer so schön Leiden ist leichter als Lösen.
00:08:47: Heute zeigt sich eine Dynamik subtiler.
00:08:50: Es geht nicht um tatsächlich einen Ausschluss Okay Aber das System reagiert trotzdem.
00:08:57: Sobald nämlich eine Entscheidung ansteht, die eine Scheidung beinhaltet – also eine Trennung bedeutet – entsteht ein Widerstand.
00:09:08: Nicht logisch sondern systemisch und dann wird gezögert!
00:09:11: Dann wird verschoben, dann wird relativiert vielleicht sogar symptomisiert Und dann haben wir Prokrastination.
00:09:19: In Wirklichkeit ist es Systemtreuer.
00:09:23: Ein Kunde zum Beispiel will eigentlich einen Firmenwechsel vollziehen Aber irgendwie schafft er das nicht, weil ja die Kollegen sind ja auch irgendwie super nett und das ganze Team.
00:09:34: Und auch der Chef ist echt toll!
00:09:37: Ja...und dann ist diese Firma aber eben auch das System in dem die Systemtreue entsteht.
00:09:44: Das ist ja irgendwie sympathisch, aber ein Mitarbeiter, der sich im Prokrastination durch den Tag manövriert, ist eben auch nicht richtig treu.
00:09:51: Das is Pseudotreu.
00:09:53: Und das kostet das Unternehmen unnötig Geld.
00:09:57: Ja, das ist genau wie in der Partnerschaft.
00:09:59: Pseudotreu wenn man bleibt obwohl man längst gehen will.
00:10:04: Und in dem Zusammenhang ist auch besonders interessant der Punkt der Meinungsfreiheit.
00:10:10: sie gilt ja als selbstverständlich und doch ist oft sehr begrenzt nicht durch äußere Regeln sondern durch innere Systeme.
00:10:19: eine eigene Meinung zu haben bedeutet immer sich zu positionieren und Positionierung bedeutet sich klar abzutrennen.
00:10:27: Genau hier entsteht oft die Spannung.
00:10:29: Die Freiheit wäre zwar da, aber sie wird oft nicht genutzt aus Angst vor Konsequenzen und an dem Punkt wäre es viel sinnvoller sich die Konseqenzgespenstermine anzuschauen als sich ständig wrong zu machen.
00:10:41: Prokrastination ist meiner Meinung nach kein Problem das gelöst werden muss sondern Es ist ein Hinweis Ein Hinweis darauf dass eine Entscheidung ansteht die möglicherweise mehr Trend als bewusst wahrgenommen wird.
00:10:56: Das ist dann auch nicht der fehlende Drive.
00:10:59: Es ist also kein Mangel, es ist ein Schutz.
00:11:03: Ein Schutz vor einer Trennung wie systemisch vielleicht noch nicht geklärt ist?
00:11:09: Ja und hier kommt der entscheidende Punkt!
00:11:12: Es ist nämlich nicht sich weiterhin zur Handlung zu zwingen, sich selbst zu optimieren, Ratgeber zu lesen und sich wie gesagt weiterhin wrong zu machen sondern zu verstehen was eine Entscheidung wirklich bedeutet Nicht nur im Außen, sondern auch im eigenen System.
00:11:29: Ich hatte mal einen Kunden der schon so lange über diese Entscheidungsur gelaufen, dass er irgendwann sich von allem trennen wollte – von seiner Frau, Familie und der Firma von allem.
00:11:38: Der konnte gar nicht mehr!
00:11:39: Er hat ja schon sämtliche Gesundheitssymptome entwickelt, Hauptsache bloß nicht irgendwie eine Entscheidung zu treffen.
00:11:45: das lief natürlich unterm Bewusstseinfahrer da klar Und wir sind diesen ganzen Entscheidungsprozess durchgegangen.
00:11:52: Seine allergrößten Ängste waren von der Familie abgelehnt zu werden, für seine Entscheidung sich zu trennen.
00:11:57: Von seinen Eltern, Freunden und Verwandten wrong gemacht zu werden – schuldig zu sein!
00:12:05: Erst als er sich diesen ganzen Ängsten gestellt hat und sie dann realistisch einordnen konnte, erst dann kommt die gute Bewegung rein.
00:12:13: Systemisch stabilisiert und da beginnt echte Freiheit.
00:12:18: Wenn du an systemischer Freiheit interessiert bist, dann bin ich gerne als deine Business-Smuse dein Sparingspartner für dich da.
00:12:26: Schau gerne auf meiner Homepage vorbei www.gedankenrevolution.com.
00:12:31: slash Entscheidungstag.
00:12:34: Ich freue mich auf Dich!
00:12:38: Weißt Du was?
00:12:39: Abonniere meinen Podcast Denn hast Du ein Problem Dann schau in Dein System.
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